Über die Veranstaltung
CALIGULA
Aufführung des Nationalen Akademischen Dramatischen Theaters
benannt nach Iwan Franko
Regie: Iwan Urywskyj
Autor: Albert Camus
Caligula fordert die Logik heraus, das Schicksal und die Götter selbst – deren Platz er nicht nur einnehmen, sondern deren Macht er übertreffen will. Zur Umsetzung dieses Anspruchs steht dem Imperator unbegrenzte Macht zur Verfügung. Doch in einer Welt, in der das Absurde herrscht, ist der Unterschied zwischen despotischer Macht und sklavenhafter Existenz gering. Und Caligula erkennt dies …
ÜBER DIE INSZENIERUNG
Caligula – der Name einer realen historischen Figur, des römischen Kaisers aus der julisch-claudischen Dynastie – ist seit Jahrhunderten, beginnend mit dem Werk des Historikers Sueton „Die zwölf Caesaren“ (ca. 120 n. Chr.), ein Synonym für grenzenlose Grausamkeit, die Straflosigkeit der Tyrannei und für bis ins Absurde reichende Ausschweifungen.
Gleichzeitig fasziniert sein auf eigene Weise tragisches Schicksal, zieht in seinen Bann durch geheimnisvolle Paradoxie und obsessive Züge. Was verbirgt sich hinter seiner Verachtung, ja bisweilen offenem Hass gegenüber allen und jedem, aus dem eine animalische Grausamkeit erwächst?
Caligula in der Interpretation Albert Camus’ ist ein einsamer Egozentriker, der nach dem Verlust seiner sündhaften Liebe zu seiner Schwester versucht, dem Wahnsinn und dem Schmerz der Leere zu entkommen, die der Verlust dieser verwandten Seele hinterlassen hat. In dem Wunsch, sich von der Vergangenheit zu befreien, nutzt Caligula die unbegrenzte Macht des Imperators, um allen seine Stärke und Unbeugsamkeit angesichts der Herausforderungen des Schicksals zu beweisen. Auf der Suche nach dem Sinn des Daseins und nach Glück beginnt er zu handeln. Doch seine Taten bringen nur Chaos und Tod.
Gibt es Antworten auf die Fragen, die den Protagonisten des Stücks – und jeden von uns – beschäftigen: Zu welcher Niedertracht ist der Mensch in der Angst um das eigene Leben fähig? Was oder wen ist er bereit zu überschreiten, zu ertragen – Demütigung, Folter? Was ist wahre Freiheit? Zu welchem Preis wird die Freiheit des Individuums erlangt? Was macht den Menschen zum Sklaven, zu einem Wesen, das Würde und Ehre verliert? Wozu ist ein Mensch mit unbegrenzter Macht fähig? Ist es der Tyrann selbst – oder sind es Angst und stillschweigende Duldung seiner Umgebung, die Tyrannei hervorbringen und nicht nur den Tod des Menschen, sondern den Untergang der gesamten Zivilisation verursachen?
Albert Camus (1913–1960) war ein französischer Romancier, Philosoph und Publizist, einer der führenden Vertreter des existentialistischen Denkens und Schaffens. 1957 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.
An dem Drama „Caligula“ arbeitete A. Camus von 1939 (erste Fassung) bis 1958 (dritte Fassung). 1945 wurde „Caligula“ erstmals im Théâtre Hébertot in Paris aufgeführt. Die Hauptrolle spielte Gérard Philipe, dessen schauspielerisches Talent sich gerade in „Caligula“ erstmals in voller Größe entfaltete.
„Ein Mensch von Ehre ist in unserer Welt ein so seltenes Wesen, dass ich es nicht ertragen kann, ihn anzusehen.“
— Albert Camus
Rollen und Darsteller:innen
Caligula – Witalij Aschnow / Oleksandr Rudynskyj
Caesonia – Kseniia Bascha / Tetjana Michina
Helicon – Ljudmyla Smorodina / Olena Chochlatkina
Cherea – Roman Jassinowskyj / Renat Sjettarow
Scipio – Akmal Hurjesow / Oleksandr Pecheryzja